sonja stummerer & martin hablesreiter
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Fleisch

Nahrung ist Müll. Jeden Tag vernichten westliche Kulturen tausende Tonnen Essen. Jeden Tag! Wir (!) werfen es weg. Diese Tatsache bewerten wir (!) als „traurige Realität“. Das heißt doch, dass wir (!) diese Wegwerfkultur akzeptieren. Oder doch nicht?

BetrachterInnen wenden sich beim Anblick von Gemüsebergen auf Mülldeponien  angeekelt ab. „Frevel!“ rufen sie beim Öffnen von Mülltonnen hinter Restaurants oder Kantinen. Das Wort Sünde fällt vor einer Wagenladung brennenden Brotes. Essen zu Abfall abzuwerten widerspricht offenbar den gängigen Moralvorstellungen.

Essen ist allerorts irgendwie heilig. Jede Kultur erklärt es zum Kult. Das trifft auf gläubige, omnivore Katholiken ebenso zu, wie auf atheistische Veganer. Essen zu vernichten, heißt das Heilige zu vernichten. Warum also geben wir (!) Lebensmittel der Vernichtung Preis? Warum werfen SIE ein Stück Brot weg, sobald dessen Ablaufdatum überschritten ist? Ist diese Vernichtung des Heiligen tatsächlich eine Folge von Überproduktion und übertriebenem Gewinnstreben einiger weniger Konzerne?

Gewiss ist das Anbieten billiger, aber unessbar großer Mengen (supersize) von Nahrungsmitteln in Supermärkten oder Fast Food Restaurants eine perverse Methode um Essen in Abfall zu verwandeln. Die KonsumentIn wird bewusst getäuscht und der Wert der Nahrung auf einen symbolischen Tiefpunkt herab gesetzt. Hier sind Politik und Gesellschaft gefordert, um dem Einhalt zu gebieten. Auch das völlig perverse Aufdrucken von Ablaufdaten auf einen Großteil der Supermarktprodukte führt letztlich zum Wegwerfen verzehrtauglicher Esswaren. Das schürt die Angst vor vergifteten, verrotteten oder sonstwie ungenießbaren Lebensmitteln und läßt mehr und mehr Essen in Krematorien wandern. „fear of food“ macht aus mündigen KonsumentInnen paranoiden Wegwerfer, die nur noch den 6 Ziffern des Ablaufdatums, anstelle ihrer eigenen Instinkte vertrauen.

Doch all diese Forderungen, die ich an dieser Stelle so frech platziere, verblassen in Anbetracht jener menschlichen Kulturleistung, die das Wegschmeissen von Nahrungsmitteln permanent umspielt: Moral. Sie sagt den Mitgliedern einer Gesellschaft, was sie essen dürfen und was nicht. In vielen Fällen hat dieses Ordnungssystem nur mäßig mit giftig oder ungiftig, verträglich oder unverträglich zu tun. Unzählige, eigentlich essbare Produkte der Natur sind wegen eines moralischen Regelwerks als unessbar einzustufen. Sie sind tabu. Also sind sie Müll. Paradoxerweise verurteilt die Moral das Wegwerfen von Essen und erschafft gleichzeitig die Verurteilung feinster Esswaren zu Abfall. Jede Religion, jede Gesellschaft, jeder Lifestyle kreiert Regeln, die alles verzehrtaugliche, biologische Gut dieses Planeten entweder als Gottes Geschenk oder als Ekelhaftes oder als Verbotenes einordnen.