sonja stummerer & martin hablesreiter
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food / sustainable / design

FOOD | sustainable | DESIGN

oder: essen moral kunst

 

FOOD | sustainable | DESIGN ist ein interdisziplinärer Versuch. Wir bringen Essen und Nachhaltigkeit zwei Abende lang an einen Tisch. In Mailand werden Thesen aus Kunst und Wissenschaft zusammengeführt, werden mit Hilfe von Eat Art Aktionen Debatten zu vorher festgelegten Themen provoziert. Ziel ist das öffentliche Generieren bislang unbedachter Erkenntnisse. Mit diesem Projekt wollen wir die politsche und ökologische Tragweite des Essens bewusst machen. Dazu zwingen wir im Rahmen von FOOD | sustainable | DESIGN KünstlerInnen, WissenschaftlerInnen und AktivistInnen unterschiedlicher Disziplinen zur Kooperation.

 

Nachhaltigkeit basiert auf moralisch-ethischen Werten. Essen ist ein alltäglicher kultureller Akt, der mehr oder weniger nachhaltigen Wertvorstellungen folgt. Jede Veränderung des Essverhaltens hat Auswirkungen auf das Ökosystem und sozio-ökonomische Prozesse. Es macht einen Unterschied, ob sich eine Gesellschaft für eine monotone, zentralisierte, industrialisierte oder eine biodiverse, vielfältige, nachhaltige Nahrungsmittelversorgung entscheidet. Gegenwärtig ernähren sich westliche Kulturen überwiegend von Industriedesign. Es geht um die Frage, wie wir Veränderungen in unserem Essverhalten provozieren können. Dazu müssen Nachhaltigkeit und Essen in einen Diskurs, sprich Erkenntnisse aus Wissenschaft UND Kultur zusammen geführt werden. Sonja Stummerer und Martin Hablesreiter werden die politische, kulturelle und ökologische Tragweite unserer (all)täglichen Kalorien in Mailand thematisieren.

 

Dazu veranstaltet das Projektteam zwei diskursive Eat Art Abende in Mailand – Einladungen, bei denen zu zwei verschiedenen Themen von und mit Experten Wissen vermittelt und ausgetauscht wird. Jeder Abend steht unter einem anderem nachhaltigkeitsbezogenen Thema. Passend dazu wird das Superstudio in Mailand von Sonja Stummerer und Martin Hablesreiter (honey & bunny) ausgestattet. Die „Kulissen“ verweisen auf das jeweilige Diskursthema. Anschließend wird ein Abendessen kreiert, dessen Zutaten, Speisen, Zubereitungs- und Verzehrsweise dem Thema entsprechen und so eine Diskussion provozieren. Pro Essen werden drei ExpertInnen eingeladen, deren Arbeitsschwerpunkte mit dem Thema des Abends zu tun haben. Sie werden befragt, ausgequetscht, kritisiert. Tabus sind verboten.

 

Diese Eat Art Abende sind Diskursplattformen zwischen Kunst und Wissenschaft. Falls möglich werden die Abendessen über eine Website und soziale Netzwerke beworben. Interessierte können sich dort anmelden. Essen darf nicht länger aus den Büros multinationaler Konzerne gehandelt, gestaltet und verkauft werden. Das alltäglichste und überlebenswichtigste (Kultur-) Gut der Menschheit muss weitreichend und öffentlich diskutiert werden. Stummerer / Hablesreiter suchen nach Menschen, die sich diesem Diskurs stellen und laden sie ein. Jeder Eat Art Abend wird live in das World Wide Web übertragen. Ziel ist öffentlicher Diskurs – in Mailand und im World Wide Web. Die beiden Kunstaktionen dienen als Medium, um wissenschaftliche Erkenntnisse, Problemstellungen und Diskurse einem breiteren Publikum zu vermitteln - und zwar sinnlich-emotional und unmittelbar. Mit der Veröffentlichung im Netz sollen die Proponenten des Themas Nachhaltigkeit und Essen international miteinander vernetzt werden, z.B. Aktivisten, Universitäten, Forschungseinrichtungen, NGOs, interessierte Öffentlichkeit – eine Vernetzung die wiederum neues Wissen generiert, die zur Inspiration neuer künstlerischer Umsetzungs- und Vermittlungsaktionen führt, die dieses Wissen verdichten. Entstehen soll ein Webkreislauf von Wissensaustausch, Inspiration und künstlerischem Aktionismus.  

 

Themen | Eat Art Abende Die Performance wird sich dem „Wert des Essens“ widmen. Dazu richtet das Künstlerduo im Superstudio einen Supermarkt ein und generiert Sortierprinzip nach denen sie das Essen präsentieren, die zb der Nachhaltigkeitsbilanz, kulturellen Werten verschiedener Fleisch- und Pflanzenstücke, ästhetischen Prinzipien, dem Gegensatz von angebotener und biologischer Vielfalt, etc. gehorchen. Die Esswaren werden nicht nach den gängigen Nahrungskategorien wie Obst/Gemüse, Brot und Gebäck, Wurst, Getränke, etc. sortiert, sondern z.B. nach Verpackungsanteil, Distanz zum Herstellungsort, Wasser (Ressourcenverbrauch) bei der Produktion, Anteil an Foodwaste, etc. Die Regale sind für sämtliche TeilnehmerInnen (KünstllerInnen, WissenschaftlerInnen und Publikum) mit Essen zum Essen belegt. Das Essen selbst ist eine künstlerische Intervention zum Thema Wert. Die Barriere zwischen Kunst, Wissenschaft und Gast wird zur Gänze aufgehoben. Es gibt keine Bühne, kein Panel, kein Auditorium mehr. Alle sind im selben Markt. Stummerer / Hablesreiter beginnen mit einer Art von literarischem Kabaret, sie performen einen selbstgeschriebenen Text, der wiederum aus Versatzstücken alter und neuer Literatur zu den Themen Essen (Wert), Nachhaltigkeit (Wert) und Markt (Wert) besteht. Drei renommierte WissenschaftlerInnen (N.N.), die sich explizit mit dem Wert von Nahrung auseinandersetzen (gewünscht ist eine Symbiose aus Natur- und Geisteswissenschaft) beginnen sich vortragend, mit ihrem Wissen in die Performance von Stummerer / Hablesreiter einzubringen. Alles weitere ist spontan. Die beiden KünstlerInnen versuchen eine Debatte in Gang zu bringen, in die in weiterer Folge auch das Publikum eintritt.

 

Ablauf | Eat Art Abende | Sonja Stummerer und Martin Hablesreiter den Raum, bereiten das Essen vor und begrüßen in, dem Thema entsprechend gestalteten, Kostümen die Gäste. Sie platzieren WissenschaftlerInnen und BesucherInnen im Raum und leiten die Abende mit künstlerischen Collagen von Texten zu Essen und Nachhaltigkeit ein. Nach etwa 45 Minuten beginnen die WissenschaftlerInnen ihre Kurzvorträge, die wiederum vom Essen selbst und der Performance von Stummerer / Hablesreiter provoziert sind. Die KünstlerInnen antworten performativ improvisierend und versuchen auf diese Weise eine Debatte zu entspinnen, die Erkenntnisgewinn für beide Seiten provoziert. Nach und nach versuchen Stummerer / Hablesreiter die BesucherInnen aktiv in die Aktion einzubinden.

 

Hintergrund | Konzept | Jeder Bissen ist ein politischer Akt. Was wir wann wie und warum essen kann, unwürdige Arbeitbedingungen in Spanien, Bodenerosion in Zentralafrika oder brennende Amazonasflächen auslösen. Die Frage des täglichen Essens hat nichts mit Diäten, Rezepten oder Gourmetkritiken zu tun sondern mit CO2 Emissionen, Fracking oder Gentechnologie. Jeder Biss ist Kultur. Jedes Schlucken ist Politik. Wir wollen das Essen als essentielles politisches Thema in der Mitte der Gesellschaft positionieren, weil die Aufnahme der alltäglichen Kalorien nicht nur eine Frage von Genuss und Geschmack sondern auch der Lebenseinstellung und Denkweise einer Gesellschaft sind. Angeblich kommt zuerst das Fressen und dann die Moral. In Wahrheit ist Essen fast immer mit moralischen Vorstellung verknüpft. Jede Gesellschaft, jede Kultur wählt ihre Nahrungsmittel nach moralischen Regeln aus und gestaltet ihre essbaren Produkte nach rituellen Ideen und Ordnungssystemen und verzehrt es nach definierten Regeln innerhalb ihrer Gemeinschaft. Die Regeln und Gestaltungsparameter in den westlichen Industrieländern folgen den Ideen der zentralisierten Industriegesellschaft. Wir essen Industriedesign. Dieses System aus Monokulturen, Massenproduktion, Großlagern und suburbanen Sortimentsupermärkten ist für nachhaltige essbare Produkte weder erschaffen noch geeignet. Das Nahrungsversorgunssystem der westlich zivilisierten Welt widerspricht der Biodiversität, der Nachhaltigkeit und der Verantwortung gegenüber zukünftigen Generationen. Gegen dieses vorherrschende System will das einreichende Team aus KünstlerInnen, WissenschaftlerInnen und politschen AktivistInnen performistisch antreten. Denn die Regeln und Designprozesse rund um unser Essen sind weder von der Natur noch von der Wirtschaft vorgegeben, sondern gestaltbar.

 

Essen bringt Leben. Essen bringt Emotionen. Essen macht Kultur. Was und wie wir essen, ist ein Ausdruck von Kultur, Sozialisation, Geschlecht, Alter, Gesellschaft, Reichtum, Moral und Lebensphilosophie. Dennoch ist Eat Art nur eine Randerscheinung der weltweiten Kunstszene. Nur die wenigsten KünstlerInnen arbeiten mit dem überlebenswichtigsten Gut, mit der ritualisiertesten Handlung der Menschheit – dem Essen.

 

Es ist hoch an der Zeit, auf die Versuche, den Klimawandel zu beweisen und Nachhaltigkeit zu rechtfertigen, mit gestalterischen und interventionistischen Mitteln Veränderungen in Verhalten und Denkweise hinsichtlich Essen zu initiieren. Da Essen ein hoch emotionaler Vorgang ist, dem wir rational nur sehr bedingt zugänglich sind, versucht das vorliegende Projekt mittels künstlerischer Aktionen auf emotional-sinnlicher Ebene zum Denken anzuregen.

 

Ablauf | Zeitplan | Gesamtprojekt Die Vorbereitungen für dieses Projekts ist ein interdisziplinäres Research. Welche zivilisatorischen Systeme verhindern gegenwärtig nachhaltige Ernährung? Stummerer / Hablesreiter erforschen dafür die kulturellen Parameter systemischen Prozesse wie die Industrialisierung (und Zentralisierung) von Nahrung, das Beschränken des Angebots an Kulturpflanzen, billige Verkehrssysteme, ein zentralisiertes und monopolisiertes Nahrungsdistributionssystem namens Supermarkt, etc... Sie werden zum Beispiel der Frage nachgehen, wann und weshalb Supermärkte die Lebensmitteldistribution zu kontrollieren begannen. Sie recherchieren die kulturellen Backgrounds von Food Waste, von Ordnungsprinzipien, den ökologischen Fußabdruck, et cetera. Die Ergebnisse werden verschriftlicht. Dieses Strategiepapier ist die Grundlage für die Konzeption der beiden diskursiven Eat Art Abende, bei denen das Wissen zusammengeführt, mit ExpertInnen diskutiert und interdisziplinär überprüft wird.

 

Anschließend werden international renommierte WissenschaftlerInnen eingeladen, um mit ihnen gemeinsam die Abende zu gestalten. Stummerer / Hablesreiter gehen schon bei der Konzeption von Raum, Essen und Performance auf die jeweiligen Forschungsergebnisse der Geladenen ein. Erwünscht ist ein gemeinsamer kreativer Prozess von Kunst und Wissenschaft. Auch der Ablauf der Performances wird mit den WissenschaftlerInnen gemeinsam entwickelt.

 

Danach schreiben Stummerer / Hablesreiter die Texte und Dramaturgien, entwickeln die Raumwirkungen und das Essen und kaufen in Wien die notwendigen Requisiten ein. Diese werden per Spedition nach Mailand geschickt und dort soll spätestens am 12. Oktober der Aufbau beginnen.

 

Konkreter Ablauf und Ergebnisse des experimentellen Kunstprojektes sind nicht vorhersehbar. Was bedeutet es, „moralisch“ zu essen und ist das überhaupt möglich? Kann eine kritische Öffentlichkeit von der Bedeutung nachhaltiger Ernährung überzeugt werden? FOOD | sustainable | DESIGN ist der Versuch, das alltäglichste und dennoch notwendigste Handeln – das Essen – kulturell neu zu bewerten. Die Gestaltung von Nahrung und die Ritualisierung des Speiseaktes sind seit Jahrtausenden eine kulturelle Antwort auf die jeweiligen Lebensbedingungen. Es ist Zeit, diesen Gedanken aufzugreifen und das Thema Nachhaltigkeit nicht nur geistig sondern auch emotional, kulturell und rituell in den Speiseakt zu integrieren.

 

Projektteam | Seit mehr als 15 Jahren beschäftigen sich Stummerer / Hablesreiter künstlerisch und forschend mit Nahrung und Nahrungsaufnahme. Sie haben bislang folgende Bücher veröffentlicht: „food design – von der Funktion zum Genuss“; Springer; Wien NY; 2005, „food design XL“; Springer; Wien NY; 2009 und „eat design“; Metro; Wien; 2013 Weiters führten sie Regie beim Dokumentarfilm „food design – Essen mit allen Sinnen“ (Nikolaus Geyrhalter Film GmbH | 2008).

 

Sonja Stummerer und Martin Hablesreiter kuratierten die Ausstellungen „Food Design“ (Designforum MQ | Wien | 2007 ||| Joanneum | Graz | 2008 ||| Forum Gastrosophie | Salzburg | 2011 ||| Deutsches Klingenmuseum Solingen | 2012 ||| Museum August Kestner Hannover | Hannover), „food | design | humanity“ 2013 im polnischen Lodz und „eat | body | design“ im Museum Bärengasse in Zürich. Installationen und Ausstellungsbeiträge waren unter anderem im Designhuis Eindhoven, im Museum of the Image Breda und im Wiener Künstlerhaus zu sehen. Die Installation „EAT DESIGN“ ist permanentes Ausstellungsstück im Wiener Museum für Angewandte Kunst. Performativ arbeiteten honey and bunny unter anderem in Salzburg bei „EAT RULES DESIGN“ im Theater Republic in Salzburg | 2015, im Theater Stadsschouwburg in Amsterdam mit „eat design“ | 2012, im Rahmen des Saloni di Mobile in Mailand mit „Hacked“| 2012 und mit den Arbeiten „APPLY TASTE! ART“ im Wiener MAK | 2011 und„food tools“ im Rahmen der Vienna Designweek.

 

Gegenwärtig arbeiten Sonja Stummerer und Martin Hablesreiter gemeinsam mit Beate Koller und Christian Rammel am interdisziplinären Projekt „Postindustrialized Food Design“, ein Versuch, Wissenschaft und Kunst performativ und designend zu vereinen. www.sustainable-fooddesign.com