sonja stummerer & martin hablesreiter
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  • honey and bunny, food design, eat design, sustainability, sustainable food

EAT | sustainable | DESIGN

oder: fressen moral design || ein Projekt von honey & bunny und Beate Koller (Arche Noah)

Essen Sie nachhaltig? | Essen Sie brav auf? | Essen Sie politisch?

Der Lebensmittelmarkt Europas funktioniert nach sehr zentralistischen Prinzipien. Immer gleiche Distributionsstellen namens Supermarkt bieten an unzähligen Standorten in jeder Region zu jeder Uhrzeit jedes Tages, zu jeder Jahreszeit eine (fast) idente Palette an Waren an. Diese (essbaren) Produkte werden täglich von Zentrallagern in die einzelnen Supermärkte geliefert. Sie sind immer gleich. Sie sind industrialisiert. Das Prinzip des Sortimentsupermarktes verlangt definitiv nach rationalisierten Massenproduktionen und logistischen Lösungen zur Belieferung aus allen Regionen der Welt. Das derzeitige System erlaubt saisonale, ökologische, faire, biodiverse, gesunde Produkte nur in sehr eingeschränktem Ausmaß. BiobäuerInnen sind dafür zu klein. Dieses Problem kann und muss von Designern zum Thema gemacht werden.

Essen ist ein alltäglicher kultureller Akt, der mehr oder weniger nachhaltigen Wertvorstellungen folgt. Jede Veränderung des Essverhaltens hat Auswirkungen auf das Ökosystem und sozio-ökonomische Prozesse. Es macht einen Unterschied, ob sich eine Gesellschaft für eine monotone, zentralisierte, industrialisierte oder eine biodiverse, vielfältige, nachhaltige Nahrungsmittelversorgung entscheidet. Gegenwärtig ernähren sich westliche Kulturen überwiegend von Industriedesign. Es geht um die Frage, wie wir Veränderungen in unserem Essverhalten provozieren können. Dazu müssen Nachhaltigkeit und Essen in einen Diskurs, sprich Erkenntnisse aus Wissenschaft UND Kultur zusammen geführt werden.

Jeder Bissen ist ein politischer Akt. Was wir wann wie und warum essen kann unwürdige Arbeitbedingungen in Spanien, Bodenerosion in Zentralafrika oder brennende Amazonasflächen auslösen. Die Frage des täglichen Essens hat nichts mit Diäten, Rezepten oder Gourmetkritiken zu tun sondern mit CO2 Emissionen, Fracking oder Gentechnologie. Jeder Biss ist Kultur. Jedes Schlucken ist Politik. Wir wollen das Essen als essentielles politisches Thema in der Mitte der Gesellschaft positionieren, weil die Aufnahme der alltäglichen Kalorien nicht nur eine Frage von Genuss und Geschmack sondern auch der Lebenseinstellung und Denkweise einer Gesellschaft sind. Angeblich kommt zuerst das Fressen und dann die Moral. In Wahrheit ist Essen fast immer mit moralischen Vorstellung verknüpft. Jede Gesellschaft, jede Kultur wählt ihre Nahrungsmittel nach moralischen Regeln aus und gestaltet ihre essbaren Produkte nach rituellen Ideen und Ordnungssystemen und verzehrt es nach definierten Regeln innerhalb ihrer Gemeinschaft.

Die Regeln und Gestaltungsparameter in den westlichen Industrieländern folgen den Ideen der zentralisierten Industriegesellschaft. Wir essen Industriedesign. Dieses System aus Monokulturen, Massenproduktion, Großlagern und suburbanen Sortimentsupermärkten ist für nachhaltige essbare Produkte weder erschaffen noch geeignet. Das Nahrungsversorgunssystem der westlich zivilisierten Welt widerspricht der Biodiversität, der Nachhaltigkeit und der Verantwortung gegenüber zukünftigen Generationen.

Regeln und Designprozesse rund um unser Essen sind weder von der Natur noch von der Wirtschaft vorgegeben, sondern gestaltbar. Essen bringt Leben. Essen bringt Emotionen. Essen macht Kultur. Was und wie wir essen, ist ein Ausdruck von Kultur, Sozialisation, Geschlecht, Alter, Gesellschaft, Reichtum, Moral und Lebensphilosophie. Das interdisziplinäre Diskurs- und Performance Projekt EAT | sustainable | DESIGN setzt an den kulturellen Schnittstellen von Essen und Nachhaltigkeit, an den alltäglichen Gewohnheiten und Ritualen rund ums Essen an. Das Projektteam will Research / Wissen mit politischer Handlung und künstlerischer Interventionen vernetzen. Dieses Projekt ist ein interdisziplinäres Experiment, dessen Ziel die langfristige Etablierung von nachhaltigem Essen ist.

Auf die Frage „Warum essen wir, was wir essen?” folgt die Frage, „Wie könnte Essen aussehen?“. Auf die Versuche, den Klimawandel zu beweisen und Nachhaltigkeit zu rechtfertigen, folgt die Frage wie mit gestalterischen und interventionistischen Mitteln Veränderungen in Verhalten und Denkweise hinsichtlich Essen initiiert werden können. Da Essen ein hoch emotionaler Vorgang ist, dem wir rational nur sehr bedingt zugänglich sind, versucht das vorliegende Projekt mittels künstlerischer Aktionen auf emotional-sinnlicher Ebene zum Denken anzuregen.

 

honey & bunny (Sonja Stummerer & Martin Hablesreiter)

Gilgegasse 14/3 1090 Wien
Tel: ++43 1 403 47 81

www.honeyandbunny.com